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Bildung im Internat

Unsere Schüler bei der Erreichung ihrer Bildungsziele zu unterstützen, ist eine wichtige Säule unserer Internatsarbeit.

Seit dem Schuljahr 2012/13 geschieht dies zum einen in organisierter Form im sogenannten „Lernbüro“, zum anderen bietet das Internatsleben die einmalige Chance, auch außerhalb allgemeiner Lernzeiten schulische Aufgaben und Anforderungssituationen miteinander zu bewältigen. Tür an Tür wohnen heißt eben auch, mal schnell vorbeischauen, um etwas nachzufragen oder sich zum Lernen für die morgige Klausur am Abend zusammenzusetzen. Es kann heißen, einen auf dem Gelände wohnenden Lehrer abends beim Joggen anzutreffen und von ihm noch wertvolle Tipps für die nächste Klassenarbeit zu bekommen oder während des Abendessens bei anderen Schülern nachzufragen, wie weit sie mit dem Lernen sind. Und es heißt, von unserer modern ausgestatteten Mediothek zu profitieren, die den Lerneifer durch jede Menge Material, Nachschlagewerke, Bücher und sonstige Medien unterstützt.

Unsere organisierte Form des Lernens, das Lernbüro, ist eine Lernzeit für Internatsschüler, die von Montag bis Donnerstag am Nachmittag stattfindet. Das Konzept ruht auf den folgenden drei Säulen:

•    Fachliche Begleitung

Lehramtsstudenten mit einem breiten Fächerangebot begleiten die Schüler, üben mit ihnen und beantworten Fragen. Durch ihre pädagogische Kompetenz als künftige Lehrer können sie auch beurteilen, ob Schüler erfolgversprechende Lernmethoden anwenden oder auch dazu beraten werden müssen.

Beispiel: Eva U. versteht in Mathematik „gar nichts“, wie sie meint. Sie ist neu auf der Marienhöhe, und der Lehrer erklärt die Dinge anders als der auf ihrer alten Schule. Alle anderen in der Klasse verstehen es, nur sie nicht. Nachdem sie sich ein Herz gefasst und den Lernhelfer befragt hat, hat sie den entscheidenden Punkt verstanden und kommt plötzlich auch mit dem restlichen Stoff besser klar. Sie meint: „Mir war auf einmal klar, dass der Lernhelfer mich ja nicht benotet, und da habe ich dann einfach mal alle Fragen gestellt, so lange, bis ich’s verstanden habe. Außerdem hat er es noch ein bisschen anders erklärt als Herr A.“

•    Modulsystem

Pro Woche werden 12 Module angeboten (täglich 3 Module). Die Schüler belegen eine bestimmte Anzahl von Modulen (das sind Zeiteinheiten zu je 40 Minuten), die aufgrund ihrer Leistungen und Lücken festgelegt wird. Durch die Wahlfreiheit kann sich der Schüler aber auch – je nach eigener Einteilung - einen Nachmittag für persönliche Dinge „freihalten“. Die Lernnachmittage werden im 14-Tage-Rhythmus vorgeplant und können so je nach Lerndringlichkeit bei Klausuren oder je nach Anwesenheit der Lernhelfer bestimmter Fächer alle 14 Tage neu gewählt werden.

Beispiel: Jonathan D. ist schlecht in Physik und hat in diesem Fach auch einiges nachzuholen. Er wird schwerpunktmäßig seine Module so legen, dass der Lernhelfer für Physik da ist. An anderen Nachmittagen, wenn z.B. Lernhelfer für Deutsch da sind, kann er einen freien Nachmittag einlegen, denn Deutsch ist sein bestes Fach.

•    Individuelle Förderung

Noch maßgeschneiderter wird das Lernen dadurch, dass der Leiter des Lernbüros ständigen Kontakt zu den Lehrern der einzelnen Schüler halten. Dabei wird abgefragt, wo genau der Schüler seine Lücken hat, und was er am besten noch tun sollte, um voranzukommen. Der Leiter des Lernbüros ist zugleich der Lern“coach“ für den Schüler.

Beispiel:  Julia H. hat Probleme in Englisch. Der Leiter des Lernbüros hält ständigen Kontakt mit Julias Englischlehrerin, erfragt z.B. welche Dinge genau Julia Probleme bereiten. Sind es die Vokabeln, sind es bestimmte Grammatikregeln, die Julia nicht versteht, oder hat sie Probleme bei der Aussprache? Was kann die Lehrerin empfehlen, damit Julia besser wird? Die Gesprächsergebnisse hält der Leiter des Lernbüros schriftlich in Julias persönlichem Lernbüro-Ordner fest, um sie dann mit dem Lehramtsstudenten, der in Englisch hilft, zu besprechen. Dieser kann dann für Julia eine maßgeschneiderte fachliche Strategie entwerfen.

Im Lernbüro werden hauptsächlich Hausaufgaben erledigt oder Referate und Klausuren vorbereitet. Schüler dürfen auch zusammenarbeiten und  sich z.B. gegenseitig Vokabeln abfragen oder bestimmte Sachverhalte erklären.

Das Lernbüro findet in einem großen hellen und ruhig gelegenen Konferenzraum im Verwaltungsgebäude statt. Es gibt genug Platz, dass Schüler sich auch einmal in eine Ecke zurückziehen können, um eine kleine Lerngruppe zu bilden, ohne andere zu stören. Der direkte Zugang zu unserer gut ausgestatteten Mediothek ermöglicht es den Schülern, mal ein Nachschlagewerk zu konsultieren oder im Internet zu forschen.

Die Betreuung im Lernbüro erfolgt stets durch zwei Personen. Der Lernhelfer setzt sich zu den Gruppen, gibt Tipps oder weitere Anregungen und stellt oft auch ergänzende Aufgaben zu den entsprechenden Themen. Er wird jedoch auch häufig gezielt von den Schülern um Hilfestellung gebeten. Dazu kommt ein Internatspädagoge oder der Leiter des Lernbüros, um den Lernhelfer zu verstärken und für einen reibungslosen organisatorischen Ablauf zu sorgen.

Und hier noch ein paar Erfahrungen, die wir bisher mit dem Lernbüro gemacht haben:

„Es macht einfach Spaß, mit den Schülern in den kleinen Gruppen oder einzeln zu arbeiten! Die private Atmosphäre ist sehr angenehm!“ sagen unsere jungen Lernhelferinnen, die in Deutsch, Biologie, Chemie und Physik helfen. Die meisten sehen sich in ihrer Berufswahl als spätere Lehrer hier bestätigt. „So was hätte es in meiner Schulzeit auch schon geben sollen!“ sagt ein ruhiger Student aus Äthiopien, der Mathe super erklären kann. „Das ist hier die perfekte Gelegenheit für Schüler, all die Fragen zu stellen, die man sich im Unterricht nicht zu fragen traut!“ Begeistert äußern sich die Lernhelfer auch über unsere gut ausgestattete Mediothek und dass wir von unserem Raum aus so unkompliziert an vertiefende und ergänzende Literatur herankommen.

Die ersten Zeugnisse nach der Einführung des Lernbüros können sich sehen lassen: viele Schüler, die sich ganz ernsthaft auf die Angebote eingelassen und die Lernhilfe in Anspruch genommen haben, können überraschend gute Noten vorweisen. „Ich habe noch nie so ein gutes Zeugnis wie dieses Jahr bekommen!“ sagt eine Schülerin aus Klasse 9, und eine andere freut sich über ihre 1- in der Mathearbeit, deren Stoff ihr vorher ziemliches Kopfzerbrechen bereitet hatte. Tagelang hatte sie im Lernbüro mit dem Lernhelfer gründlich gepaukt und nun ein tolles Ergebnis erzielt.

„Klar, manchmal nervt es schon, diese viele Zeit am Nachmittag im Lernbüro zu verbringen und nicht einfach ganz spontan mal in die Stadt gehen zu können. Aber ich seh’s auch ein, ohne Lernbüro würde ich mich nicht so intensiv hinsetzen!“ so hören wir es mittlerweile des Öfteren von den Schülern.